Was ist bitte ein Hybrid-Piano?

Es scheint unglaublich, ist aber wahr: Die Geschichte des Klaviers findet – genau genommen schon seit über 25 Jahren – eine Fortsetzung. Das normale akustische Klavier repräsentiert ja den technischen Stand von 1870. Sie sind überrascht? Dann werden Sie die folgenden Informationen über die zeitgemäße Weiterentwicklung unseres Pianofortes sicher interessieren.

Als Hybrid-Piano bezeichnet man eine neue Kategorie im Klavierbau. Die Bezeichnung liefert den Hinweis, dass Elektronik und Akustik – und nun auch die digitalen Möglichkeiten zusammenwachsen. Sie stehen nicht mehr wie bislang in Konkurrenz nebeneinander, sondern vereinen sich in einem Instrument, dem Hybrid-Piano. Auf dieser Homepage zeige ich auf, dass diese Entwicklung zahlreiche historische Vorläufer hat, und somit einem dementsprechend kreativem MEM folgt. Der Trend scheint mittlerweile einen Höhepunkt erreicht zu haben – doch möglicherweise ist dieser Höhepunkt bereits überschritten. Die Klavierindustrie traut sich nicht, die nächsten Schritte zu gehen. Diejenigen Klavierbauer, die Hybrid-Pianos im Programm haben, befürchten offensichtlich ernsthaft, dass ein konsequenter Ausbau der neuen Leistungsmerkmale des Hybrid-Pianos das rein akustische Piano massiv unter Druck setzen würde. Um aber einen weiteren Ausbau der wünschenswerten Eigenschaften sicherzustellen, bräuchte es vor allem den Input von Musikern, die mit der neuen Kategorie des Klaviers eine Erweiterung Ihres musikalischen Spielraums bekommen. Doch wollen wir der Reihe nach vorgehen. Kommen Sie doch einfach mit!

Moment, Sie wollen erst noch wissen, was ein MEM ist? Dann bitte klicken!

Das MEM ist laut Wikipedia ein dem GEN nachempfundenes Kunstwort. Z.B. eine Idee ist ein MEM. Ideen verbreiten sich und bewirken etwas. Dieses Konzept bezeichnet man als Memetik. Dabei geht es um die soziokulturelle Evolution, und das bedeutet wiederum, es geht um die Entwicklung von Kultur. Die Kultur ist jedoch ein Ergebnis von Gemeinschaft und somit von Lernen. Die Memetik ist das (ergänzende) Gegenstück zur Genetik. Der Erfinder der Memetik ist der britische Biologe Richard Dawkins. Er entwickelte erstmals 1976 in seinem Buch Das eogistische Gen die neue Theorie. In der Genetik sind es Gene, die sich verbreiten. Menschen, Tiere, Pflanzen etc. verbreiten ihre Gene und sorgen so für den Erhalt ihrer Art. Im Rahmen der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat man sich große Einsichten erhofft und war daher bereit, viel Geld zu investieren. Nach der Entschlüsselung waren wir enttäuscht, da nämlich die neu gewonnen Einsichten in die Genetik bei weitem nicht alle unsere Fragen beantworten konnten. So kam die Memetik und ein neues Denken in die Welt. Heute wissen wir, dass die Gene nur einen groben Bauplan besitzen. So wissen die Gene anfangs noch nicht, was aus einer bestimmten Zelle einmal werden soll. Mit anderen Worten: In keiner Stammzelle ist ein Hinweis zu finden, ob daraus einmal eine Leber oder ein Auge wird. All diese Prozesse geschehen in von dem chilenischen Biologen Humberto Maturana gefundenen Prozessen der Autopiesis (Selbst-Erschaffung und -Erhaltung), die wir gemeinhin mit Selbstorganisation übersetzen. Dieses Konzept der Autopoiesis besagt, dass der Körper in seiner Entwicklung selbst weiß, wie der jeweils nächste Schritt der Zellentwicklung konkret auszusehen hat. Da sich neues Wissen immer noch recht langsam verbreitet, ist das alte Wissen über die scheinbare Allmacht der Gene noch weit verbreitet. Tatsache ist jedoch, dass wir Menschen weniger genetisch geprägt, als vielmehr lernende Wesen sind. Auf diesem Kenntnisstand beruht die Memetik, die davon ausgeht, dass uns Ideen weitaus stärker beeinflussen als die Gene. Das MEM, das die Musikinstrumentenhersteller beeinflusst hat, war übrigens die Idee, ein Musikwerkzeug zu erfinden, dass besser war als die bereits existierenden musikalischen Werkzeuge. Wir werden auf dieses MEM mit beeindruckenden Beispielen zurückkommen.

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Der Ton macht die Musik

Der Ton macht die Musik. Stimmt das wirklich? Ist es wirklich der Ton, der die Musik macht? Ist es nicht vielmehr der Klang, der uns emotional so tiefgehend beeinflusst?

Begleiten Sie mich bei meinen Fragen und Antworten zum Thema Hybrid-Piano. Der Klang als Maßstab der Bewertung bietet eine ausgezeichnete Orientierung innerhalb unseres Dialogs über das Hybrid-Piano. Betrachten wir zur Einstimmung die bisherige Entwicklung.

Zum Seitenanfang Entwicklungen sind die Decodierung von Sehnsüchten

Komponisten im Spannungsfeld aus Wunsch und Wirklichkeit

Johann Sebastian Bach sehnte sich um das Jahr 1700 nach einer Stimmung, in der man in allen Tonarten spielen und komponieren kann. Er fand die Wohltemperierte Stimmung und schrieb aus Begeisterung über die so gewonnnene Freiheit das Wohltemperierte Klavier.

Inzwischen träumten Komponisten und Interpreten nicht mehr von einer alle Tonarten umfassenden Stimmung sondern von der Gestaltbarkeit von Klängen. Zum Beispiel lebte Ludwig van Beethoven zu einer Zeit, in der sich Klang und Spielart des Pianofortes entwickelten. Die jeweiligen Fortschritte fanden unmittelbar Eingang in seine Kompositionen. So bekam Beethoven, der seit 1813 bereits auf Hörrohre angewiesen war, 1818 von Broadwood einen Flügel geschenkt. Das größere Klangvolumen sowie die bessere Spieltechnik beeinflussten seine letzten Werke ab op. 90, in denen es zu einer stärkeren Gegenüberstellung von extrem tiefen Bass- und hohen Diskantlagen kam. Mit anderen Worten: Trotz seiner beginnenden Schwerhörigkeit inspirierten den Komponisten die neuen klanglichen Optionen. Wie beeindruckend die Integration des Klangs in seine Musik tatsächlich ist, kann man erst erkennen, wenn man weiß, dass Beethoven ab 1818 darauf angewiesen war, mittels Konversationsheften schriftlich mit seiner Umgebung zu kommunizieren!

Um die Möglichkeiten der Klangwelt auszureizen, setzte man immer größere Orchester ein. Ideal wurde das Gestalten der Klänge vor allem dann, wenn der Komponist zusätzlich zu einem Orchester ein eigenes Opernhaus planen und bauen durfte, das hinsichtlich der auf den Zuhörer gerichteten Wirkung des Klangs optimiert war, wie das zum Beispiel bei Richard Wagners Festspielhaus in Bayreuth der Fall ist.

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Klangfarben am Piano gestalten

Als 1709 das Hammerklavier erfunden worden ist, hat man sich bei der Anzahl der angeschlagenen Saiten sowie der Gestaltung der Klavierhämmer am Vorbild des Hackbretts orientiert. Der uns heute bekannte wohltemperierte Pianoklang, den wir in seiner auf uns harmonisierenden Wirkung als Wohlklang verstehen, entstand erst 1826, indem man Filze über die Holzkerne der Klavierhämmer spannte. Damit verbunden war der Mehr-Wert für Klavierspieler, über die Intensität des Anschlags nicht nur die Lautstärke sondern auch die Klangfarben gestalten zu können.

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Neue Klänge kommen in die Welt

Mit der Elektronik entstand nicht nur eine neue Zeit sondern auch ein neuer Geist. Man begann Klänge elektronisch zu erzeugen und erfand dazu gleich die Werkzeuge, die alle möglichen und unmöglichen Klänge künstlich herstellen können: Den Synthesizer.

Aber das genügte offensichtlich nicht, denn nun begannen findige Musiker elektronische und akustische Klangquellen zu mischen, um neue, einzigartige Klänge zu erzeugen. Die Idee war großartig, aber das Ergebnis entlarvte die elektronischen Sounds als längst noch nicht konkurrenzfähig zu den analogen Klängen. Die elektronische Musik klang im direkten Vergleich flacher und reizloser als die akustisch erzeugten Töne.

Also musste man neue Methoden der elektronischen Klangerzeugung finden. Es entstand das Sampling. Akustische Klänge werden aufgezeichnet und digitalisiert. Diese Klang-Muster (= Sample) werden in kleinen Datenpaketen über eine entsprechende Software abrufbar. Aufgrund der erzielten Fortschritte der digitalen Klangerzeugung - genau genommen eigentlich der DatenVERARBEITUNG durch schnellere Rechnerleistung sowie größere Datenspeicher - hat Yamaha 2009 mit dem AvantGrand ein neues Instrument aus der Kategorie Hybrid-Piano präsentiert. Dessen Klang wird nicht mehr durch das Anschlagen von Saiten und einem natürlichen Klangkörper sondern mit digitalisierten Samples und einem speziell abgestimmen Sound-Equipment erzeugt.

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Das Piano - ein Instrument wartet auf Innovation

Falls Sie es nicht schon längst geahnt haben, so wird spätestens jetzt klar: Den besten Klang gibt es an der Quelle, nämlich an der ursprünglichen Klangquelle!

Aktualisierung 2017: Zu den hier festgestellten Unterschieden in der Klangqualität zwischen elektronischen und akustischen Instrumenten muss ich heute feststellen: Das waren die alten Glaubenssätze, die bislang galten. Doch seitdem die Chips unserer Computer um so viel leistungsfähiger geworden sind, hat sich die Klangqualität der elektronischen Instrumente wesentlich verbessert. Dieser neuen Wahrheit müssen sich die Hersteller akustischer Pianos stellen. Dies könnte der Fall sein, wenn man sich z.B. eindeutig für ein qualitativ hochwertiges Hybrid-Piano einsetzt. In diesem Sinne diskutiere ich das Thema weiter:

Fortsetzung:Der gute Klang aus dem natürlichen Klangkörper muss durch keine Kopie ersetzt werden. Vielmehr könnte man die Kopie nutzen, indem man das Instrument mit zusätzlichen Möglichkeiten der Klangsgestaltung beziehungsweise der Performance der Interpretation anreichert.

Pianisten beklagen seit langem die Beschränkungen ihrer Möglichkeiten zur optimalen Gestaltung der Interpretation. Aber bislang verhallten ihre Wünsche ungehört. Also ist die Zeit reif, um die neue Idee vom Hybrid-Piano anhand einer Wunschliste auf der folgenden Seite vorzustellen.

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